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20.05.2009

"Kathedrale des Kalten Krieges"

Die "Dokumentationsstaette Regierungsbunker" im Ahrtal gewaehrt Einblick in den ehemals geheimsten Ort der Bundesrepublik



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Das dröhnende Signalhorn ertönt, rote Alarmlichter blinken hell auf: binnen 15 Sekunden schließt sich das bombensichere 25 Tonnen schwere Tor zur Außenwelt und entscheidet über Leben und Tod. - Was jetzt nur auf einem Infofilm in der „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ über den simulierten Ernstfall zu sehen ist, hätte vor rund 20 Jahren noch Realität sein können. In einer Zeit, als die Militärblöcke in Ost und West einander mit Atomwaffen bedrohten. Im Verteidigungsfall sollte der Schutzbunker als „Kathedrale des Kalten Krieges“ die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung sicherstellen. „Hinter den Toren hätte nur ein ausgewählter Personenkreis Schutz gefunden – der große Rest wäre draußen geblieben“, so Heike Hollunder, Leiterin der Dokumentationsstätte. Es gab eine genau definierte Liste mit 3.000 Personen, deren Überleben für mindestens 30 Tage gesichert gewesen wäre. Dazu gehörten neben Regierungspolitikern die Mitglieder von Bundestag und Bundesrat sowie „ausgewählte Vertreter“ der Bundeswehr und der Bundesbank. Rund 140 Angestellte sollten für die Versorgung und technischen Wartung im Bunker sorgen, Techniker, Köche und Ärzte.

Heute darf auch das Volk die mächtigen und strahlungsdichten Tore der Bunkerstadt unter den Ahrweiler Weinbergen passieren. Seit März 2008 hat die „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ 203 Meter des ursprünglich 17,3 Kilometer langen Tunnellabyrinths den Bürgern zugänglich gemacht. Etwa jede Stunde bricht eine neue Besuchergruppe in das Innere des Ahrweiler Kuxberges auf, um in die kalte Atmosphäre des Atomschutzbunkers in 110 Meter Tiefe einzutauchen. Bisher ließen sich rund 72.000 Gäste aus aller Welt von geschulten Kräften durch die Anlage führen. Zu den Guides gehören auch Zeitzeugen wie Paul Groß, ehemals technischer Leiter im Regierungsbunker. 37 Jahre lang ging er morgens aus dem Haus, ohne dass seine Familie wusste wohin. „Wir waren zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet, nicht einmal unseren Ehefrauen durften wir von unserer Arbeit dort unten erzählen“, erinnert sich der 65-jährige, „Wir fühlten uns wie eine Familie dort unten, denn uns verband das Schweigen um unsere Arbeit.“...

[Text: Regina von Ameln | Fotos: Harald Oppitz]

Datenbankstichwort: Regierungsbunker


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