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15.04.2010

Insel der Hoffnung im Armenhaus Europas

- Bei uns landen die Vergessenen -



Insel der Hoffnung im Armenhaus Europas  - Bild: KNA_210158
Insel der Hoffnung im Armenhaus Europas  - Bild: KNA_210163

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Im Schneckentempo quält sich Martha mit ihren Krücken vorwärts. Alle paar Schritte hält sie inne, ringt nach Atem, während der Verkehr an ihr vorbeirauscht. Zwei Stunden kostet sie der Weg in das „Casa Providentei“. Und das jeden Tag. „Ich muss hierher kommen“, sagt sie. „Hier spüre ich, dass ich noch lebe. Meine Kinder haben mich schon lange nicht mehr besucht.“ Und warum? „Weil sich das Leben geändert hat. Heute denkt jeder zuerst an sich.“ Martha ergeht es wie allen im „Haus der Fürsorge“. Valentina etwa, die stundenlang vor dem Fernseher sitzt und sich mit Liebesromanzen in eine heile Welt träumt. Oder die geistig zurückgebliebene Dominca, die sich beim „Mensch-ärgere-dich-nicht" nie aus der Ruhe bringen lässt, da sie den Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren nicht versteht. Oder die Pensionärin Nadescha. Sie war Lehrerin in kommunistischer Zeit. Heute kritzelt sie Papierschnipsel mit Notizen voll, deren Sinn außer ihr selbst niemand versteht. Oder Grigoriu, Ion und Simeon, die unentwegt Domino-Steine legen, glücklich für einige Stunden der Einsamkeit ihres Alltags zu entfliehen.

In dem „Casa Providentei“, dem katholischen Sozialzentrum in der moldawischen Hauptstadt Chisinau, finden Alte und Obdachlose Hilfe und Fürsorge. Während die Jüngsten in dem neuen Kindergarten Schutz und Geborgenheit erleben, werden Schulkinder bei den Hausaufgaben betreut. Die Jungen und Mädchen, die nachmittags in dem Speisesaal Schlange stehen, erhalten erst jetzt die erste Mahlzeit des Tages. „Im Land herrscht ein Materialismus des Überlebens“, klagt die Sozialarbeiterin Rodica Negura. „Bei uns landen die Vergessenen, Menschen, die in der neuen Zeit niemand will.“...

[Text und Fotos: Rolf Bauerdick]

Datenbankstichwort: Renovabis Moldawien


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